Samstag, 29. Januar 2011

Les défilés d'haute couture ODER Ein Nachmittag im Modezirkus

Euch allen erst einmal noch ein (sehr) verspätetes frohes neues Jahr und da die Berlinoise jetzt auch endlich wieder à Paris ist, geht es mit meinen Erlebnissen und Eindrücken aus der französischen Hauptstadt weiter.

2011 hat zwar gerade erst angefangen, doch die Modewelt ist schon wieder mitten drin im Geschehen. Nach der Berlin Fashion Week ist sie nun weiter in die Mutter aller Modestädte - nach Paris - gezogen, wo sich die letzten Tage alles um die Königsdisziplin der Schneiderkunst - die Haute Couture - gedreht hat. Insgesamt haben dafür in diesem Jahr 20 Designer ihr Können zur Schau gestellt und ihre Ideen für den kommenden Herbst/Winter  präsentiert. Neben einigen (noch) unbekannten Jungdesignern sind in Paris natürlich vor allem auch immer die großen Modehäuser wie Chanel, Gaultier und VALENTINO vertreten.

Wer jetzt jedoch mit der Beschreibung der Kollektionen und einer Trendanalyse rechnet, den muss ich enttäuschen, denn davon habe ich erstens leider wirklich keine Ahnung und zweitens wäre das schon daran gescheitert, dass ich keine einzige Kreation zu Gesicht bekommen habe :-). Denn die tatsächlichen Modenschauen sind für die meisten "Normalsterblichen" (und damit auch für mich) absolut unerreichbar. Doch da sich ein großer Teil des Modezirkus sowieso auf der Straße und vor den Défilés abzuspielen scheint, gibt es heute eben mal eine etwas andere Fashion Week-Berichterstattung. Und so hieß es für mich diese Woche einen Nachmittag etwas früher als nötig aus der Sprachschule (sorry, Mama:-)), rein in die Metro und wieder eine neue Seite von Paris entdecken!


Erster Halt meines kleinen Ausflugs ist das Haute-Couture-Debüt des französischen Jungdesigners Maxime Simoens, vor dessen Tür sich bizarre Szenen abspielen. Während auf der einen Straßenseite eine lange Schlange derer ist, die tatsächlich rein dürfen, sind auf der anderen (meiner!) Seite die mit den großen Augen, die unbedingt rein wollen, aber auf Grund der fehlenden Einladung nicht können. Auffällig ist außerdem, dass es eine ungeschriebene Regel zu geben scheint, dass beide Seiten möglichst gelangweilt tun, denn nichts scheint in solchen Momenten uncooler zu sein als Freude, Enttäuschung oder sonst eine emotionale Regung zu zeigen. 
Auch die Outfits sind leider nicht halb so interessant wie von mir erhofft, und wer hier super crazy Klamotten à la New York erwartet, liegt komplett falsch, denn schließlich regiert in der französischen Hauptstadt der Pariser Chic und der ist - auch zur Fashion Week - hauptsächlich von klassischem Schwarz, Weiß und gedeckten Erdtönen geprägt (und passt damit auch gleich hervorragend zu dem momentan sehr grauen und nassen Wetter).



Links die mit Einladung und rechts die ohne

An ihm, dem Türsteher, wollen bei Maxime Simoens alle vorbei, doch da helfen eben auch die großen Augen nichts
 
Wenn dies hier das ausgefallenste Outfit ist dann müssen die Pariser aber noch ein bisschen üben, oder;-)?

Unbeteiligte, die zu keiner der beiden Seiten gehören und nur zufällig vorbeilaufen schütteln wiederholt verwundert den Kopf und zweimal werde ich sogar gefragt, ob es sich denn hier um eine Demonstration handle oder ob etwa schon wieder jemand streike - regelmäßige Leser meines Blogs wissen, dass das in Paris ja ganz gerne mal vorkommt :-). Ein bisschen unzufrieden verlasse ich die erste Location, denn Fashion Week-unerfahren wie ich bin, hatte ich mir das alles irgendwie viel spektakulärer und luxuriöser vorgestellt, doch in dieser kleinen unscheinbaren Pariser Seitenstraße ist von Glamour nun noch wirklich keine Spur.  

Aber ich habe Glück und ein wenig später komme ich dann doch noch auf meine Kosten, denn die diesjährige VALENTINO-Show findet im wunderschön angestrahlten Hôtel Salomon de Rothschild gleich neben der Champs Elysée statt und der graue Himmel fällt auch gar nicht mehr so auf, denn es ist inzwischen dunkel geworden. Die Schuhabsätze sind nun wesentlich höher und schmaler, über den dünnen Kleidchen trägt man dicke Pelze und die Taschen sind so exklusiv, dass sie nicht mal mehr mit Designerlabeln versehen sind. Genau so hatte ich mir die Paris Fashion Week vorgestellt! 



Menschentraube vor der VALENTINO Haute-Couture-Show

Und doch, auch hier gibt es wieder zwei Seiten und es ist unheimlich still. Und das, obwohl die Schaulustigen dieses Mal schon fast direkt vor dem Gebäude stehen, um die heranrollenden schwarzen Limousinen auf ihren Inhalt zu prüfen. Und so ist es auch hier nur ein sehr kleiner Teil der Leute vor dem ehrwürdigen Gebäude, der später tatsächlich in den Genuss der neuesten VALENTINO-Kreationen kommen wird.  Fotografen, Modeblogger und sehr viele Asiaten - alle scheinen ein kleines bisschen Fashion einatmen zu wollen.  Ab und zu erhellt ein Blitzlichtgewitter den kleinen Platz, wenn entweder jemand Bekanntes oder doch mal ein ausgefallenes Outfit Richtung Eingang läuft. 
 

Auch der eine oder andere Schaulustige hat sich ziemlich rausgeputzt

Fazit meines kleinen Einblick in den Modezirkus der Fashion Shows: Alles nur halb so viel Prunk und Glitzer wie erwartet, man verhält sich möglichst cool und redet nicht gerne laut und doch ist die Modewelt ein ganz eigener Kosmos für sich, der immer noch und immer wieder viele Leute fasziniert. Denn warum sonst sollte man sich mitten im Januar in die Kälte VOR (!!!) den Eingang zu einer Modenschau stellen ... 

... es sei denn natürlich, man schreibt einen Blog über Paris:-)?!

À bientôt