Mittwoch, 6. April 2011

La relaxation énorme ODER 1001 Nacht mitten in Paris

Verschnörkelte Verzierungen an den Türen, blau-grüne Mosaike an weiß getünchten Wänden und ein kleiner Brunnen, der leise vor sich hin plätschert. In der Luft hängt der süße Duft von exotischen Backwaren. Hinter einer endlos scheinenden hohen weißen Mauer findet man mitten in Paris ein kleines bisschen Orient:


Einder der vielen Eingänge der Grande Mosque de Paris

Orientalische Stimmung im Pariser Zentrum


Schon seit mehr als 80 Jahren steht die Grande Mosque de Paris im fünften Arrondissement. Sie ist nicht nur die größte ihrer Art in Frankreich, sondern gehört sogar zu den größten muslimischen Gotteshäusern in ganz Europa. Gebaut wurde sie von 1922 bis 1926, um den Soldaten der ehmaligen französischen Kolonien für ihre militärische Unterstützung im ersten Weltkrieg zu danken. Doch damit der heutige Beitrag keine Geschichtsstunde wird, komme ich nun zum eigentlich Thema, denn die Moschee bietet heute nicht nur den muslimischen Parisern einen Ort der inneren Einkehr, sondern im dazu gehörigen Hammam für ALLE gestressten Pariser auch ein Beauty-Programm der ganz besonderen Art - unabhängig von Glaube oder Nationalität.

Ein eher unauffälliger Pfeil und ein Schild "Reservé aux femmes" (heute ist nämlich Mittwoch und montags, mittwochs und freitags ist Frauen-Tag) weisen mir den Weg. Die unscheinbare klapprige türkisfarbene Tür, direkt neben der Vitrine mit den ganzen orientalischen Leckereien, verbannt alle Geräusche des Pariser Stadtlebens. Es herrscht Stille. Warme feuchte Luft schlägt mir entgegen und ich trete ein in (ein kleines bisschen) 1001 Nacht.


Links hinter der Theke gehts zum Hammam


Ein hoher farbenfroher orientalischer Kuppelsaal und rundherum ein Säulengang in dem sich Frauen auf dünnen Matratzen ausruhen und Tee mit frischer Minze trinken. Um den Brunnen in der Mitte stehen vier Massageliegen, an denen ziemlich kräftige Frauen die Besucherinnen zu Wackelpudding kneten (wie auch ich später noch feststellen werde).
Doch zuerst geht es nach Umziehen und Abduschen in einen Atrium-artigen Raum, in dem eine angenehme warme Temperatur herrscht, Das kleine Oberlicht lässt den Raum schummrig erscheinen und das stehende Wasser auf dem Boden verbreitet einen etwas muffigen Geruch. Nachdem man sich dort komplett mit einer - ich möchte mal vorsichtig sagen: sehr exotisch riechenden -  Paste eingeschmiert hat, nimmt einem im nächsten Raum die heisse Luft dann allerdings schon fast den Atem. Doch dafür ist das runde Wasserbecken, in das man seine Beine zur Kühlung hängen kann. Nun wird so lange zwischen den beiden Räumen hin und her gewandelt, wie man die Hitze eben aushält. Danach geht es zurück zu den Duschen, wo mir eine arabische "Mamma" (ich denke, diese, hier erstmal unpassend erscheinende, Beschreibung trifft die Damen, die im Hammam arbeiten, am besten :-)) mit einem Schwamm die komplette Haut vom Körper schrubbt ... ganz so schlimmt ist es natürlich nicht, aber so ähnlich fühlt es sich zumindest an.

Zurück im großen bunten Atrium bekomme ich nach all diesen "Strapazen" den obligatorischen heissen Tee serviert und versuche dem beruhigenden Gemurmel der Masseurinnen zu folgen (was ich jedoch auf Grund meiner grottigen Kenntnisse des Französisch-mit-starkem-arabischem-Akzent schnell wieder sein lasse und mich lieber aufs Ausruhen konzentriere).



Das bunte Atrium der Grande Mosque de Paris 
Quelle: https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEjDuxQzhzKoja-0vnDT5BhvLw_omt_jAPG0wQIY3Z0ZHGaroCS46GqZZJTcbUrZflcZBYj-JLPr687CFKebmRJ_GTPO1a_SUyG0DxT-3WBYNcBcs8Qc4OvrQ9t4PhK8Dxd3p8OpH2XFWbnU/s1600/Le-Grande-Mosquee-de-Paris.jpg 

Eine halbe Stunde und 15 Minuten Massage später stehe ich mit porentief gereinigter Haut, etwas weichen Knien (s. Wackelpudding!) und einem arabischem Gebäck in der Hand wieder außerhalb der hohen weißen Mauern. Autos hupen, Kinder schreien und ein Bus fährt mir fast über die Füße ... Paris hat mich wieder!!!


Liebe - und vor allem vollkommen entspannte - Grüße aus Paris ... et à bientôt



P.S.: Da Fotografieren innerhalb des Hammams logischerweise verboten ist, habe ich heute auch noch ein Bild aus dem Internet verwendet, um Euch denoch etwas von dem beeindruckenden Inneren des Hammams zeigen zu können.

Montag, 28. März 2011

Un peu de vin, svp ODER Weinkenner (fast) unter sich

Mein Praktikum beim International Herald Tribune, Familienurlaub in den Alpen und der ein oder andere Besucher haben mich zwar etwas von meinem Ziel, möglichst viel aus Paris zu berichten, abgebracht, doch heute melde ich mich mit einem kleinen, dafür aber besonders französischen Bericht aus der "Winterpause" zurück.   

Menschen, die mit einem leeren Glas durch große Hallen wandeln, Papp-Boxen, die zu meterhohen Türmen gestapelten sind und schwarze Eimer, in denen sich undefinierbare Flüssigkeiten sammeln: Willkommen im Schlaraffenland der Weinliebhaber, denn der Salon des Vins des Vignerons Indépendants ist in der Stadt.

Wir befinden uns auf einem kleinen Messegelände, etwas außerhalb der Périphérique. Die frühlingshaften Temperaturen wirken durch den bedeckten Himmel fast etwas drückend, aber das hindert die Leute nicht, sich - ganz dem Klischee entsprechend - mit einem Baguette und Foie Gras auf die große Treppe vor dem Ausstellunsggebäude zu setzen und ihren gerade erstandenen Wein auch gleich zu kosten.   

Am Eingang bekommt jeder Besucher für seine Eintrittskarte ein leeres Glass in die Hand gedrückt, mit dem er sich dann durch alle Weine probieren kann.

Das Ausstellunsggebäude - wie man sieht hat sich der verhangene Frühlingshimmel auch tatsächlich noch von seiner schlechtesten Seite gezeigt und zum Ende konnte leider niemand mehr draußen sitzen.

Schon zum 18. Mal in Paris, findet die Messe unter anderem auch einmal im Jahr in Straßbourg und Nizza statt. Das Besondere an der Veranstaltung ist, dass die über 600 Winzer tatsächlich alle selber hinter ihrem Tresen stehen. Darauf wird großen Wert gelegt, weshalb sich die Messe auch den Untertitel "des vins et des personnes authentiques" gegeben hat. Soweit ich das beurteilen kann, geht diese Rechnung auf. Wandelt man durch die Gänge des riesigen Ausstellungsgeländes, schlägt einem die Begeisterung und Leidenschaft für den Wein von allen Seiten entgegen. Überall herrscht geschäftiges Gewusel und Gemurmel und die Winzer geben Auskunft über Weine und Anbaugebiete und erzählen einem bereitwillig ihre ganz eigenen kleinen Ankedoten.

Die große Ausstellunsgfläche ist voll mit interessierten Weinliebhabern.

Auf den persönlichen Kontakt zwischen Winzern und Besuchern legen die Veranstalter besonderen Wert.

Als in der Önologie unwissender einfacher Wein-Konsument fühlt man sich dabei manchmal direkt ein wenig überfordert. So schenkt mir an einem Stand ein sehr freundlicher ältere Herr drei verschiedene Sauternes - begleitet von ausschweifenden Erklärungen - zum Probieren ein und guckt mich dann voller Erwartung an. Und es tut mir direkt leid, als ich außer einem "den Zweiten fand ich ganz gut" nicht wirklich viel sinnvolles rausbekomme.


An alles ist gedacht: Für diejenigen, die mit ganzen Boxen nach Hause gehen werden, gibt es am Eingang Trolleys zu kaufen.


Ohne Essen läuft bei den Franzosen ja sowieso nichts und so gibt es auch hier Stände mit traditionellen Spezialitäten.

Darüber würden sicherlich 90% der Besucher ihren, inzwischen schon etwas benebelten, Kopf schütteln (denn die schwarzen Spuckeimer benutzt eigentlich sowieso niemand). Und so wird es wohl noch ein Weilchen dauern und das eine oder andere "Training" erfordern müssen, bevor ich diesbezüglich eine wahre Französin werde und über den berühmt-berüchtigten Abgang des Weines mitdiskutieren kann.


Mit diesen heute mal etwas alkohol-lastigen Grüßen wünsche ich Euch allen eine schöne Woche.


À bientôt

Samstag, 29. Januar 2011

Les défilés d'haute couture ODER Ein Nachmittag im Modezirkus

Euch allen erst einmal noch ein (sehr) verspätetes frohes neues Jahr und da die Berlinoise jetzt auch endlich wieder à Paris ist, geht es mit meinen Erlebnissen und Eindrücken aus der französischen Hauptstadt weiter.

2011 hat zwar gerade erst angefangen, doch die Modewelt ist schon wieder mitten drin im Geschehen. Nach der Berlin Fashion Week ist sie nun weiter in die Mutter aller Modestädte - nach Paris - gezogen, wo sich die letzten Tage alles um die Königsdisziplin der Schneiderkunst - die Haute Couture - gedreht hat. Insgesamt haben dafür in diesem Jahr 20 Designer ihr Können zur Schau gestellt und ihre Ideen für den kommenden Herbst/Winter  präsentiert. Neben einigen (noch) unbekannten Jungdesignern sind in Paris natürlich vor allem auch immer die großen Modehäuser wie Chanel, Gaultier und VALENTINO vertreten.

Wer jetzt jedoch mit der Beschreibung der Kollektionen und einer Trendanalyse rechnet, den muss ich enttäuschen, denn davon habe ich erstens leider wirklich keine Ahnung und zweitens wäre das schon daran gescheitert, dass ich keine einzige Kreation zu Gesicht bekommen habe :-). Denn die tatsächlichen Modenschauen sind für die meisten "Normalsterblichen" (und damit auch für mich) absolut unerreichbar. Doch da sich ein großer Teil des Modezirkus sowieso auf der Straße und vor den Défilés abzuspielen scheint, gibt es heute eben mal eine etwas andere Fashion Week-Berichterstattung. Und so hieß es für mich diese Woche einen Nachmittag etwas früher als nötig aus der Sprachschule (sorry, Mama:-)), rein in die Metro und wieder eine neue Seite von Paris entdecken!


Erster Halt meines kleinen Ausflugs ist das Haute-Couture-Debüt des französischen Jungdesigners Maxime Simoens, vor dessen Tür sich bizarre Szenen abspielen. Während auf der einen Straßenseite eine lange Schlange derer ist, die tatsächlich rein dürfen, sind auf der anderen (meiner!) Seite die mit den großen Augen, die unbedingt rein wollen, aber auf Grund der fehlenden Einladung nicht können. Auffällig ist außerdem, dass es eine ungeschriebene Regel zu geben scheint, dass beide Seiten möglichst gelangweilt tun, denn nichts scheint in solchen Momenten uncooler zu sein als Freude, Enttäuschung oder sonst eine emotionale Regung zu zeigen. 
Auch die Outfits sind leider nicht halb so interessant wie von mir erhofft, und wer hier super crazy Klamotten à la New York erwartet, liegt komplett falsch, denn schließlich regiert in der französischen Hauptstadt der Pariser Chic und der ist - auch zur Fashion Week - hauptsächlich von klassischem Schwarz, Weiß und gedeckten Erdtönen geprägt (und passt damit auch gleich hervorragend zu dem momentan sehr grauen und nassen Wetter).



Links die mit Einladung und rechts die ohne

An ihm, dem Türsteher, wollen bei Maxime Simoens alle vorbei, doch da helfen eben auch die großen Augen nichts
 
Wenn dies hier das ausgefallenste Outfit ist dann müssen die Pariser aber noch ein bisschen üben, oder;-)?

Unbeteiligte, die zu keiner der beiden Seiten gehören und nur zufällig vorbeilaufen schütteln wiederholt verwundert den Kopf und zweimal werde ich sogar gefragt, ob es sich denn hier um eine Demonstration handle oder ob etwa schon wieder jemand streike - regelmäßige Leser meines Blogs wissen, dass das in Paris ja ganz gerne mal vorkommt :-). Ein bisschen unzufrieden verlasse ich die erste Location, denn Fashion Week-unerfahren wie ich bin, hatte ich mir das alles irgendwie viel spektakulärer und luxuriöser vorgestellt, doch in dieser kleinen unscheinbaren Pariser Seitenstraße ist von Glamour nun noch wirklich keine Spur.  

Aber ich habe Glück und ein wenig später komme ich dann doch noch auf meine Kosten, denn die diesjährige VALENTINO-Show findet im wunderschön angestrahlten Hôtel Salomon de Rothschild gleich neben der Champs Elysée statt und der graue Himmel fällt auch gar nicht mehr so auf, denn es ist inzwischen dunkel geworden. Die Schuhabsätze sind nun wesentlich höher und schmaler, über den dünnen Kleidchen trägt man dicke Pelze und die Taschen sind so exklusiv, dass sie nicht mal mehr mit Designerlabeln versehen sind. Genau so hatte ich mir die Paris Fashion Week vorgestellt! 



Menschentraube vor der VALENTINO Haute-Couture-Show

Und doch, auch hier gibt es wieder zwei Seiten und es ist unheimlich still. Und das, obwohl die Schaulustigen dieses Mal schon fast direkt vor dem Gebäude stehen, um die heranrollenden schwarzen Limousinen auf ihren Inhalt zu prüfen. Und so ist es auch hier nur ein sehr kleiner Teil der Leute vor dem ehrwürdigen Gebäude, der später tatsächlich in den Genuss der neuesten VALENTINO-Kreationen kommen wird.  Fotografen, Modeblogger und sehr viele Asiaten - alle scheinen ein kleines bisschen Fashion einatmen zu wollen.  Ab und zu erhellt ein Blitzlichtgewitter den kleinen Platz, wenn entweder jemand Bekanntes oder doch mal ein ausgefallenes Outfit Richtung Eingang läuft. 
 

Auch der eine oder andere Schaulustige hat sich ziemlich rausgeputzt

Fazit meines kleinen Einblick in den Modezirkus der Fashion Shows: Alles nur halb so viel Prunk und Glitzer wie erwartet, man verhält sich möglichst cool und redet nicht gerne laut und doch ist die Modewelt ein ganz eigener Kosmos für sich, der immer noch und immer wieder viele Leute fasziniert. Denn warum sonst sollte man sich mitten im Januar in die Kälte VOR (!!!) den Eingang zu einer Modenschau stellen ... 

... es sei denn natürlich, man schreibt einen Blog über Paris:-)?!

À bientôt