Donnerstag, 28. Oktober 2010

Les manifestations continuent ODER der Mojito-Mann, es gibt ihn wirklich!!!

EXKLUSIV sogar mit bewegten Bildern :-)

Eigentlich wollte ich heute gar nichts posten, aber dann bin ich vorhin in der Stadt schon wieder aus Versehen mitten in eine Demonstration gegen Sarkozys Rentenreform geraten. Und ich muss sagen, die Franzosen lassen wirklich nicht locker! Zwar waren es heute Nachmittag wohl nur noch um die 100.000 Demonstranten und damit deutlich weniger als in der letzten Woche, aber immerhin. Denn eigentlich ist die umstrittene Rentenreform schon gestern von der französischen Nationalversammlung verabschiedet worden und soll bereits ab Mitte November in Kraft treten. Im Klartext heisst das, dass es für die Franzosen die volle Rente jetzt tatsächlich erst ab 62 und nicht wie bisher ab 60 Jahren geben wird.
Doch von einem, wenn auch eigentlich schon verabschiedeten Gesetzesentwurf lassen sich die Franzosen in ihrer Streiklaune nun wirklich nicht abschrecken ... und so waren vor allem die jungen Leute heute Nachmittag wieder stimmengewaltig auf der Straße vertreten.




Trotz aller ernsten politischen Ziele sind die Demonstrationen aber immer auch eine ziemlich große Party ... 




Zum Schluß noch die gute Nachricht des Tages: ICH HABE DEN MOJITO-MANN GEFUNDEN!!!
(für alle, die sich jetzt wundern, wovon ich rede ... siehe Blog-Eintrag vom 22. Oktober). Und er hat sogar einen ganzen Mojito-Wagen! Hier der Beweis:


Es gibt ihn wirklich: den Mojito-Mann auf der Demo. Vive la France;-)!


Dienstag, 26. Oktober 2010

Mais où es-tu? Oder eine ungewöhnliche Suche.

Sitze gerade bei mir um die Ecke in einem typischen Pariser Café, das nebenbei extrem gute Chancen hat mein Stamm-Café zu werden, denn der grüne Tee mit Minze ist sehr lecker und wird dazu auch noch in einer kleinen silbernen Kanne serviert. Was will man mehrJ? Aus den Lautsprecher erklingen tatsächlich französische Chansons und gegenüber ist eine Pâtisserie, aus der die Menschen mit einem Baguette oder einem Karton voll mit kleinen Törtchen kommen. Und um gleich bei den Klischees zu bleiben, geht es heute um die Liebe …

   Tu es arrivé sur le quai
   Marchant en tête de train
   Moi j’étais concentré
   À lire mon petit bouquin

Für die von Euch, die des Französischen mächtig sind: Nein, ich bin nicht unter die Dichter gegangen. Und für die von Euch, die die Sprachkenntnisse aus der Schule lieber in die hinterste Ecke Eures Wissens verfrachtet habt: Keine Sorge ich werde Euch nicht andauernd mit "la langue francaise" herausfordern … doch wollte ich Euch diese kleine, aber feine und vor allem sooo romantische, Geschichte nicht vorenthalten.
Denn diese französischen Zeilen sind der Anfang eines Gedichtes, auf das ich heute Morgen in der Metro gestoßen bin. Der DIN A4 Zettel auf dem es stand, klebte an jeder Wagontür und der Titel des Gedichts war „Mais ou es-tu?“. 

So hing das Gedicht heute an jeder Tür des Zuges.

Verfasser des Gedichts  ist wohl ein (junger?) Mann, der auf der Suche nach seiner großen Liebe ist, von der er überzeugt ist, sie vor knapp zwei Woche in der Metro gesehen zu haben. Zugegebenermaßen das Gedicht ist ein bisschen nach dem Motto „Reim Dich oder ich fress Dich“ zusammengewürfelt, aber es beschreibt das erste und bisher einzige vollkommen wortloses Aufeinandertreffen der Beiden. Wie sie ihre Kopfhörer um und er sein Buch in der Hand hatte. Und wie sie sich angeschaut haben und es um ihn geschehen war. Der Leser erfährt auch, dass der Mann schon seit über einer Woche nach ihr Ausschau hält, dass er sogar zu genau der gleichen Zeit ihres ersten Treffens wieder in der Metro war und dass dies sein letzter verzweifelter Versuch ist sie zu finden.

Unter dem Gedicht die Aufforderung sich bei einer extra eingerichteten Mailadresse zu melden.

Ich weiß, dass das eine ziemlich kitschige Geschichte ist und sie wird schon gar nicht dadurch besser, dass wir ja sowieso niemals wissen werden, ob und wie sich die beiden tatsächlich finden, aber in der Stadt der Liebe so öffentlich auf der Suche nach ihr, ist doch irgendwie erzählenswert. Außerdem zeigt uns eine solche Geschichte doch, dass man manchmal vielleicht auch etwas riskieren sollte, um es hinterher wenigstens nicht zu bereuen (und in der U-Bahn Zettel aufhängen muss J).
In diesem – heute mal sehr romantischen und hochphilosophischen – Sinne wünsche ich Euch allen noch une bonne soirée.

P.S.: Die BVG hat übrigens für solche Fälle den Service „Meine Augenblicke“ eingerichtet, an den man sich wenden kann und der einem hilft, die große Liebe aus Bus oder Bahn wiederzutreffen. Weitere Infos unter: http://www.bvg.de/index.php/de/9462/name/Meine+Augenblicke.html

Samstag, 23. Oktober 2010

Un ascenseur parisien oder wie lerne ich am schnellsten einen Pariser Feuerwehrmann kennen

Gestern abend bin ich auf dem Weg zu einer Party (einer Verkleidungsparty! denn die scheinen die Franzosen momentan zu LIEBEN) zusammen mit meinem Mitbewohner Vincent, seiner Schwester Alice und vier ihrer Freunde im Fahrstuhl stecken geblieben. Ok, ich muss gestehen, der Fahrstuhl war nur für vier Personen und wir waren sieben ... zugegebenermassen eine echt bescheuert Idee :-). Nach 30 Minuten hatte uns die Feuerwehr wieder rausgeholt und wir sämtliche (schon schlafende) Hausbewohner zur Weißglut gebracht.

Stuck in an elevator

MERCI BEAUCOUP!

Freitag, 22. Oktober 2010

Salut aus Paris oder Mit Mojito gegen die frühe Rente

Eigentlich hatte ich vor, meinen ersten Blog-Eintrag als XEN ON Tour-Reporterin über Pariser Klischees zu schreiben. Es gibt hier nur verliebte Pärchen, alle laufen mit einem Baguette unter dem Arm herum und an jeder Ecke sitzt ein Maler vor seiner Staffelei, aber denkste: denn schon als ich letzten Donnerstagabend in meiner vorrübergehenden  Heimat gelandet bin, war hier totales Chaos.

Seit Wochen protestieren die Franzosen gegen die geplante Rentenreform der Regierung. Denn angeblich auf Grund des demographischen Wandels will Nicolas Sarkozy das Renteneintrittsalter von 60 auf 62 Jahre erhöhen. Zugegebenermaßen eine Zahl, bei der wir Deutschen nur lächelnd abwinken können, aber für die Franzosen ein Grund mehr einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen nachzukommen (natürlich neben Wein trinken und Käse essen): DEM GENERALSTREIK.

Schon mein Weg vom Flughafen in die Stadt erwies sich letzte Woche als äußerst schwierig, denn die Bahn, mit der ich fahren wollte wurde bestreikt und fuhr damit überhaupt nicht. Gott sei Dank gibt es aber auch noch einen Bus, der vollgestopft bis in die letzte Ecke, mich dann aber doch noch, wenn auch mit gewaltiger Verspätung, irgendwie bis ins Zentrum gebracht hat. Später am Abend bekam ich dann auch gleich noch die Ausfälle der eigentlichen Pariser Metro zu spüren, denn der Zug auf den ich, nun mit meinem neuen Mitbewohner, warten musste, kam erst nach über 20 Minuten – für Pariser Verhältnisse eine kleine Ewigkeit.

La grève = der Streik

Am nächsten Tag kamen dann auch gleich schon erste besorgte Anrufe meiner Großeltern "von wegen sie hätten im Fernsehen gesehen und ob bei mir denn alles in Ordnung sei". Um ganz ehrlich zu sein: Erst als ich Online-Nachrichten gelesen habe, war mir so wirklich bewusst, was hier im Land eigentlich los ist, denn wenn man nicht gerade zufällig Benzin tanken möchte, schien erst einmal alles ganz normal.
So habe ich mein erstes Paris-Wochenende also in vollen Zügen genossen und außer, dass hier und da Leute über “la grève” gesprochen und sich alle über verspätete Züge beschwert haben, habe ich von der angespannten Situation, genauso wie ihr in Deutschland, nur über die Nachrichten etwas mitbekommen.

Grammatik im Schnelldurchlauf

Am Montagmorgen im Sprachkurs war ich deshalb dann auch echt erstaunt, als die Lehrerin mit uns die Grammatik für die ganze Woche an nur einem Tag im Schnelldurchlauf besprechen wollte. Ihre Begründung: auf Grund des Streiks wird die Hälfte der Klasse den Rest der Woche eh nicht kommen, weil die Züge nicht fahren werden und deshalb machen wir alles sofort. Verrücktes Frankreich!


Falls ich es bis dahin immer noch nicht richtig geglaubt habe, bin ich am Dienstag dann endgültig von der Realität eingeholt worden. Als ich nach der Schule aus meiner Metrostation komme, traue ich meinen Augen nicht, überall ist Polizei, die Straßen rund um meine Wohnung sind abgesperrt und es sind Massen von Menschen auf den Straßen. Viele von ihnen sind mit Plakaten, Trillerpfeifen und Aufklebern ausgerüstet.

Die Demonstranten versammeln sich im 7. Arrondissement

Ich stürze mich also rein ins Getümmel und wenige Meter weiter befinde ich mich mittendrin in einer Großdemonstration. Obwohl ich auf einem riesigen Platz auf die insgesamt über 300.000 Demonstranten stoße, bin ich beeindruckt von der Masse Mensch, die über Stunden immer weiter dazu strömt.

Es sind vor allem junge Leute, die auf Trommeln schlagen, ihre Banner schwenken und Sprechgesänge anstimmen. In ganz Frankreich sind viele Schulen und Universitäten mittlerweile geschlossen und in Städten wie Lyon und Le Mans ist es auch schon zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polzei gekommen. Hier in Paris scheinen die meisten gut gelaunt und friedlich, wobei man vielen ansieht, dass sie wild entschlossen sind, diese neue Gesetzesregelung zu verhindern.

Nicht nur die Unis, auch die Bibliotheken streiken

Mit Mojito gegen die frühe Rente

Ich setze mich zu ein paar Studentinnen an den Straßenrand und als ich sie frage, warum genau sie hier eigentlich mitlaufen, gerate ich in einen ein Schwall von französischen Wörtern, aus dem ich aber, trotz teilweise ja doch etwas mangelnder Sprachkenntnisse, so viel verstehen kann, als dass es für sie eine Pflicht wäre hier mitzumachen, denn man dürfe sich von der Regierung ja nun nicht alles gefallen lassen.
Der Platz vor "Les Invalides" am Dienstag Nachmittag
Dieser Meinung scheinen aber nicht nur die jungen Franzosen, denn sie werden auch von mehreren älteren Menschen und heutigen Rentnern unterstützt, die alle zusammen quer durch die Stadt Richtung Elysée-Palast laufen, um dem Präsidenten ihren Ärger zu zeigen.

Bevor ich die jungen Franzosen hier  jetzt als allzu politisch engagiert darstelle, möchte ich aber doch noch kurz erzählen, dass ich zusammen mit den Studentinnen die meiste Zeit damit verbracht habe, auf dem Platz herumzulaufen, um einen Mann zu suchen, der wohl schon den ganzen Tag wirklich billigen, aber richtig starken Mojito an die Demonstranten verkauft  … leider haben wir ihn nicht mehr gefunden :-) .

Als es langsam dunkel wird, die ersten Rauchbomben gezündet werden und sich die Polizei etwas mehr in den Vordergrund drängt, verabschiede ich mich von den Mädchen, die sich jetzt auch wieder auf ihren Heimweg in die Pariser Vororte machen und der, da die Bahn ja wohl noch eine ganze Weile weiter streikt, sicherlich mal wieder etwas länger dauern wird.

À bientôt!


Montag, 18. Oktober 2010

Le samedi, le soleil et le showcase

Nachdem ich am Freitag ja noch mit den Spätfolgen des französischen Biers zu tun hatte, bot sich mir am Samstag Morgen dieser Anblick vor meiner Haustür ...

Meine momentane Metrostation: La Tour Maubourg

... kann ein Samstag schöner beginnen? Ich glaube kaum. Bei strahlendem Sonnenschein schlendere ich also die Rue de Grenelle entlang. Vorbei an kleinen Brasserien, modernen Einrichtungsläden und überdurchnittlich vielen Babyläden, die alle so stylisch sind, dass man sie auf den ersten Blick für Galerien halten könnte.

Der eigentliche Grund meines Spazierganges sind aber Audrey und Joseph aus New York, die uns Anfang des Jahres als Teilnehmer eines Programms für jüdische Vertriebene in Berlin besucht haben. Ich treffe die beiden im Café St. Germain und sie erzählen mir, dass sie zwar schon viele Male in Paris gewesen sind, aber dennoch immer wieder herkommen und trotzdem immer wieder noch etwas Neues entdecken. Die momentane Monet-Ausstellung soll zum Beispiel unglaublich schön sein, doch haben die beiden kurzfristig leider keine Karten mehr bekommen (ich schreibe mir die Ausstellung natürlich gleich auf meine To-Do-Liste, die irgendwie immer länger wird :-)).


mit Audrey und Joseph aus New York

Später laufe ich noch ein bisschen bei mir in der Gegend rum, ich verfolge mit Jojo die Bundesliga-Spiele (Go Hertha!) und packe ausnahmsweise meinen Koffer schon mal nach zwei Tagen aus, wobei das nur dazu führt, dass die Klamotten jetzt auf dem Schreibtisch in meinem Zimmer liegen, denn der Schrank ist leider voll.

Abends geht es mit den Deutschen der HEC ins Showcase, angeblich DER fancy Club in Paris. Direkt unter der Brücke Alexandre III. geht es aber doch entspannter zu als gedacht und Banker im Anzug tanzen sich neben Rastalocken-Trägern zu wirklich guter Housemusik den Alltagsstress von der Seele.


Das Showcase unter der Brücke Alexandre III.


Es muss nicht immer Currywurst sein


Morgens um vier falle ich nach einer späten Portion Pommes und voll mit den Eindrücken meiner ersten 48 Stunden totmüde ins Bett.

Pas si mal que ca, n'est-ce pas?


Der Blick meine Straße runter


Sonntag, 17. Oktober 2010

Bonsoir Paris! Ca va?

Mit Sabine Christiansen im Flugzeug, ein Zahlencode, den ich ich mir einfach nicht merken kann und ein toller Start ins Pariser Nachtleben ...

Nachdem ich mit Sabine Christiansen, die wild diskutierend an ihrem IPhone hing, am Kofferband gewartet habe, werde ich gleich nach meiner Ankunft am Pariser Flughafen mit einem typisch französischen Phänomen konfrontiert: Es wird gestreikt! Diesmal gegen die Rente ab 62 - da können wir Deutschen ja nun wirklich nur drüber lachen. Also, geht es statt mit der RER (Le Reseau Express Regional)erstmal mit dem ORLYBus Richtung Stadt. Von weitem sehe ich zum ersten Mal den hell erleuchteten Eiffelturm. Nun bin ich also wirklich in Paris!

Nach einer Irrfahrt durch die Einbahnstraßen der Stadt bringt mich das Taxi, das ich mir auf den letzten paar Metern genommen habe, dann doch noch an mein Ziel: die Rue de Grenelle. Zufälligerweise hat in der gleichen Straße, die übrigens eine der längsten der ganzen Stadt ist, vor über 20 Jahren schon meine Mutter gewohnt. Doch Zeit in alten Geschichten zu schwelgen bleibt mir gar nicht, denn Bertrand, mein vorübergehender Mitbewohner, hat das Essen fertig und schon kurz darauf sitzen wir in der Pariser Metro (auch wenn wir auf Grund des Streiks wieder länger als gewöhnlich auf die nächste Bahn warten müssen). Am Grands Boulevards treffen wir Freunde von Bertrant und ich lerne an diesem - meinem ersten - Abend in Paris, dass die Franzosen entgegen aller Vorurteile zwar sehr wohl freundlich und offen sind,französisches Bier aber sehr böse Kopfschmerzen bereitet, die sogar das Merken des vierstelligen Zahlencodes für die Tür zu einer schier unmöglichen Angelegenheit machen.