Montag, 28. März 2011

Un peu de vin, svp ODER Weinkenner (fast) unter sich

Mein Praktikum beim International Herald Tribune, Familienurlaub in den Alpen und der ein oder andere Besucher haben mich zwar etwas von meinem Ziel, möglichst viel aus Paris zu berichten, abgebracht, doch heute melde ich mich mit einem kleinen, dafür aber besonders französischen Bericht aus der "Winterpause" zurück.   

Menschen, die mit einem leeren Glas durch große Hallen wandeln, Papp-Boxen, die zu meterhohen Türmen gestapelten sind und schwarze Eimer, in denen sich undefinierbare Flüssigkeiten sammeln: Willkommen im Schlaraffenland der Weinliebhaber, denn der Salon des Vins des Vignerons Indépendants ist in der Stadt.

Wir befinden uns auf einem kleinen Messegelände, etwas außerhalb der Périphérique. Die frühlingshaften Temperaturen wirken durch den bedeckten Himmel fast etwas drückend, aber das hindert die Leute nicht, sich - ganz dem Klischee entsprechend - mit einem Baguette und Foie Gras auf die große Treppe vor dem Ausstellunsggebäude zu setzen und ihren gerade erstandenen Wein auch gleich zu kosten.   

Am Eingang bekommt jeder Besucher für seine Eintrittskarte ein leeres Glass in die Hand gedrückt, mit dem er sich dann durch alle Weine probieren kann.

Das Ausstellunsggebäude - wie man sieht hat sich der verhangene Frühlingshimmel auch tatsächlich noch von seiner schlechtesten Seite gezeigt und zum Ende konnte leider niemand mehr draußen sitzen.

Schon zum 18. Mal in Paris, findet die Messe unter anderem auch einmal im Jahr in Straßbourg und Nizza statt. Das Besondere an der Veranstaltung ist, dass die über 600 Winzer tatsächlich alle selber hinter ihrem Tresen stehen. Darauf wird großen Wert gelegt, weshalb sich die Messe auch den Untertitel "des vins et des personnes authentiques" gegeben hat. Soweit ich das beurteilen kann, geht diese Rechnung auf. Wandelt man durch die Gänge des riesigen Ausstellungsgeländes, schlägt einem die Begeisterung und Leidenschaft für den Wein von allen Seiten entgegen. Überall herrscht geschäftiges Gewusel und Gemurmel und die Winzer geben Auskunft über Weine und Anbaugebiete und erzählen einem bereitwillig ihre ganz eigenen kleinen Ankedoten.

Die große Ausstellunsgfläche ist voll mit interessierten Weinliebhabern.

Auf den persönlichen Kontakt zwischen Winzern und Besuchern legen die Veranstalter besonderen Wert.

Als in der Önologie unwissender einfacher Wein-Konsument fühlt man sich dabei manchmal direkt ein wenig überfordert. So schenkt mir an einem Stand ein sehr freundlicher ältere Herr drei verschiedene Sauternes - begleitet von ausschweifenden Erklärungen - zum Probieren ein und guckt mich dann voller Erwartung an. Und es tut mir direkt leid, als ich außer einem "den Zweiten fand ich ganz gut" nicht wirklich viel sinnvolles rausbekomme.


An alles ist gedacht: Für diejenigen, die mit ganzen Boxen nach Hause gehen werden, gibt es am Eingang Trolleys zu kaufen.


Ohne Essen läuft bei den Franzosen ja sowieso nichts und so gibt es auch hier Stände mit traditionellen Spezialitäten.

Darüber würden sicherlich 90% der Besucher ihren, inzwischen schon etwas benebelten, Kopf schütteln (denn die schwarzen Spuckeimer benutzt eigentlich sowieso niemand). Und so wird es wohl noch ein Weilchen dauern und das eine oder andere "Training" erfordern müssen, bevor ich diesbezüglich eine wahre Französin werde und über den berühmt-berüchtigten Abgang des Weines mitdiskutieren kann.


Mit diesen heute mal etwas alkohol-lastigen Grüßen wünsche ich Euch allen eine schöne Woche.


À bientôt

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